Herzlich willkommen zur 24. Jüdischen Woche Dresden!

Es ist ein besonderes Jahr. Auch für uns. Normalerweise planen wir die Jüdische Woche über den Zeitraum von einem Jahr und länger. Aber der Frühling wirbelte unsere Ideen, Verträge und Finanzierungen zum Thema „Britisches Judentum – Judentum in Großbritannien“ gehörig durcheinander. Als Verein benötigen wir langfristige Sicherheiten – für die KünstlerInnen, die Spielorte, und nicht zuletzt für unsere BesucherInnen.

Ein Festival zu organisieren, bedeutete immer schon Mut zum Risiko, Wille zu Veränderung, Improvisationsgeist und persönliche Flexibilität. In diesem Jahr tritt das im besonderen Maße hervor. Corona stellt 2020 die wichtigen Fragen – wir geben unsere Antwort:

Zay gezunt!

Dieser jiddische Gruß beschreibt den Wunsch nach Wohlergehen. Doch wo das Jüdische, da ist der Humor nicht weit: „Zay gezunt“ steht auch für die ironische Bemerkung „Na dann mal viel Glück dabei!“ Denn was bleibt uns in Zeiten einer Pandemie anderes übrig, als der herzenswarme Wunsch nach Gesundheit und ein bisschen fatalistischen Humor, der das Unerträgliche erträglicher macht?

Und so möchten wir unseren BesucherInnen eine jüdische Welt zeigen, die humorvoll, nachdenklich, kritisch, unterhaltend – aber eben auch und vor allem hoffnungsvoll ist. Und diese Hoffnung möchten wir gern mit euch teilen.

Am 1. November laden Daniel Kahn und Christian Dawid zum Eröffnungskonzert:  Daniel Kahn, der „Yiddish troubadour“, kommt mit seinem langjährigen Kollegen, den legendären Berliner Klezmer-Instrumentalisten Christian Dawid, ins Dresdner Zentralwerk. Die beiden Musiker gestalten einen intimen Abend mit alten und neuen Songs, über und zwischen den Grenzen aus Yiddisch, Englisch, Russisch und Deutsch. Übersetzt und mit Videoprojektionen werden die Songs von der Berliner Künstlerin Yeva Lapsker.

Einen Tag darauf steht der Netflix-Überraschungserfolg „Unorthodox“ im Mittelpunkt. Die vierteilige Miniserie zeigt den Ausbruch der jungen Esty aus einer hermetischen Welt des orthodoxen New Yorker Judentums und ihre Übersiedlung nach Berlin. Gemeinsam mit der Choreographin Yeva Lapsker, der Kulturmanagerin Valentina Marcenaro und Dr. Joachim Klose von der sächsischen Konrad-Adenauer-Stiftung stellen wir die Frage, „Was uns Halt und Orientierung gibt?“. Musikalisch begleitet wird der Abend von Daniel Kahn und Christian Dawid (beide haben ebenfalls einen Cameo-Auftritt in der Serie). Die Moderation übernimmt Johanna Hohaus.

Weiter geht es am 3. November mit dem Trio „Givol, Karoyan & Hirsch“, unter dem Titel “Kurt, Weill er mehr ist…“, die mit Cello, Klavier und Gesang die Musik von Kurt Weill auferstehen lassen. In seinem runden Geburtsjahr zeigen die drei KünstlerInnen einen Studenten von Humperdinck und Busoni, der wie selbstverständlich zwischen Synagoge, Bierkeller, Ku'damm und Broadway lebte. Dass so eine schillernde Persönlichkeit im Dritten Reich nicht willkommen war, kann man sich denken...

Am frühen Mittwochabend laden wir Kinder und Jugendliche ab 10 Jahren in Societaetstheater: In "Das Kind von Noah" entspinnt sich zwischen dem Flüchtlingskind Josef und Pfarrer Bims eine spannende Diskussion über Werte und Verantwortung in der Zeit der Judenverfolgung - und darüber hinaus.

Am 5. November verzaubern die MusikerInnen von The Flying Rabbi mit Melodien des jüdischen Osteuropas. Die Interpretationen der fünfköpfigen tschechischen Band sind zeitlos und originell. Sie reichen von tanzbarem Klezmer bis zu traditioneller Shtetlmusik – immer voller unerwarteter Einflüsse und Inspirationen. Ein jiddischer Liederabend, der zeitgenössische Poesie mit den musikalischen Traditionen der Gegenwart verbindet.

Mit dem Jüdischen Ball zündeten wir im vergangenen Jahr eine fast vergessene Partyrakete. Am zweiten Festivalsamstag setzen wir das fort und bestellen eine jüdische und einen arabischen TanzmeisterIn – logischerweise wird der Abend damit zu einem internationalen Ball. Die musikalische Begleitung liefern Lebedik feat. Yiddish-Song-Star, Sasha Lurje, und die Dresdner Lokalmatadore, La Banda Internationale.

Für alle Kinder und Familien beginnt am folgenden Sonntagnachmittag eine spannende Schnipseljagd durch die Dresdner Altstadt. Der Zeitagent Mark Question ist auf seiner letzten geheimen Mission verschwunden. Hoffentlich finden wir ihn pünktlich wieder, bevor dann mit Musik, Tanz und Spiel in der Alten Festungsmauer der Mischpoketag ausklingt. 

Eingerahmt wird die Woche von einem Theaterprolog zum 100. Geburtstag Paul Celans (rimon productions / Britta Shulamit Jakobi) und der Screwball-Komödie "Kiss Me Kosher" im Programmkino Ost. 

Und das darf natürlich in diesen Zeiten nicht fehlen: unser Hygienekonzept.

 

Wir freuen uns auf euch!
Zeyt gezunt!

Avery Gosfield und das gesamte Festivalteam

 

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